Mürren traditionell

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Traditionen

Das Ursprüngliche und Unverfälschte am Bergdorf Mürren zeigt sich nicht nur in den Chalets, sondern auch im kulturellen Angebot, das von den Auftritten der Dorfvereine geprägt ist. Jung und Alt engagiert sich am Heimatabend, beim Dorffest oder bei der Durchführung der beiden internationalen Sportanlässe, dem Inferno-Abfahrtsrennen im Winter und dem Inferno-Triathlon im Sommer. Dieses Engagement drückt den Anlässen einen persönlichen Stempel auf und schweisst die Dorfbevölkerung zusammen. Für Musikliebhaber gibt es auch die im Juli durchgeführte “Allmendhubelchilbi”, der Chästeilet zum Ende des Alpsommers und die legendären “Winteregg Zmorge” auf der Terrasse mit musikalischer Begleitung.

Geschichtliche Ereignisse

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Das Wappen von Mürren

Mürren 1257

1257 wurde Mürren, das Dorf “auf der Mauer”, erstmals urkundlich erwähnt. Viele Schreibweisen gab es im Laufe der Jahrhunderte: Montem Murren, Murron, Murn, Mürn, Murne, Myrrhen und Mürren. Es ist eine alte Walsersiedlung, was man noch heute an der Hausbauweise in Mürren und der Färbung der Mürrner Mundart erkennen kann. Man vermutet, dass die Lötscher aus dem Walsertal über die Wetterlücke kamen. Mürren ist im Gegensatz zu Wengen eine geschlossene Zeilensiedlung.

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Das Hotel Silberhorn in Mürren
Hotel Silberhorn in Mürren 1857

1857 erbaute Heinrich von Allmen aus der Bergschaft Winteregg zwischen die 35 braungebrannten kleinen Bauernhäuser Mürrens das erste Gasthaus mit Pension. 1858 wurde das einfache “Hotel Silberhorn” eröffnet. Bis dahin konnten die Wanderer auf dem Weg zum Schilthorn ein Heulager, Milch oder Suppe von den Bauern erhalten.

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Das Grand Hotel und Kurhaus in Mürren
Grandhotel Mürren 1870

1870 erbaute der geschäftstüchtige Pächter des Hotels Silberhorn in Mürren auf dem Land vor dem Hotel Silberhorn sein eigenes Hotel, das “Hotel Mürren”. Später übernahm er auch das Hotel Silberhorn. Nach mehreren Anbauten wurden beide Häuser miteinander verbunden und entwickelten sich als “Grand Hotel und Kurhaus” in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zum erfolgreichen Grossbetrieb. Um die Jahrhundertwende errang das Hotel sogar einen Stern im renommierten “Handbuch für Reisende” von Karl Baedeker.

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Das Hotel des Alpes auf Mürrens Hehmatten
Hotel des Alpes Mürrens 1872

1872 wurde das stattliche Hotel des Alpes auf den sogenannten “Hehmatten”in Mürren eröffnet. 1884 wurde es bei einem der gefürchteten Föhnstürme durch einen Brand zerstört und als Grand Hotel des Alpes schöner und besser errichtet. Die Blütezeit Mürrens als erfolgreicher Kurort begann. Es gehörte zum guten Ton und zum romantischen Lebensgefühl, in Mürren zu gastieren. Adelige, Politiker, Dichter, Maler und Gelehrte suchten Erholung und Inspiration in Mürren. Sir Henry Lunn und seine Alpine Sports Ltd. erwarben um 1912 das Grandhotel des Alpes und führten es als Hotel Palace weiter.

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Grossen Körpereinsatz erforderte die Anpassung der Trasse an den Berg.
Bau der Mürrenbahn 1889

Bisher waren Reisende über den Fussweg Lauterbrunnen-Mürren und von Stechelberg-Gimmelwald hoch nach Mürren gelangt. Mürren sollte durch den Bau einer Bergbahn weiter erschlossen werden. Doch bei einer Abstimmung am 27. März 1887 sprachen sich nur 88 Stimmberechtigte für den Bau der Mürrenbahn aus, 219 waren dagegen. Trotz der ablehnenden Haltung der Bevölkerung im Lauterbrunnental wurde noch 1887 die Konzession erteilt. 1889 begann dann der Bau der Bergbahn Lauterbrunnen-Mürren.

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Das Rösslitram in Mürren
Rösslitram Mürren 1894

Der Besitzer des “Grand Hotels und Kurhaus” in Mürren erstellte 1894 ein Rösslitram, das vom Bahnhof der Bergbahn Lauterbrunnen-Mürren bis zum Kurhaus fuhr. Es standen zwei Wagen zur Verfügung: ein gedeckter Personenwagen mit acht Sitzplätzen und ein Güterwagen. Die Pferdebahn war mit 50 cm Spurweite und 455 Metern Länge die schmalste und kürzeste Schmalspurbahn der Schweiz. Die Bahn war in Paris gebaut worden und war dort schon 1889 auf der Weltausstellung im Einsatz. Das Rösslitram in Mürren fuhr von 1894 bis 1914 und von 1923 bis 1930 während der Sommersaison und beförderte in all seinen Betriebsjahren rund 20.000 Reisende.

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Die Allmendhubelbahn
Die Allmendhubelbahn Mürren 1912

1912 wurde in Mürren die Allmendhubelbahn eingeweiht. Sie war zuerst eine reine Winterbahn, die Mürrens Gäste bequem auf den Allmendhubel (1912 m) zur neu erbauten Bobbahn brachte. Die Standseilbahn Mürren-Allmendhubel (SMA) mit einer Spurweite von 100 cm führt über eine Strecke von 558 Metern, mit Steigungen bis zu 61 %. Im gleichen Jahr, am 20. Januar 1912, wurde auch der Skiclub Mürren, (SCM), gegründet. Die treibende Kraft ging von dem Bergführer Johann von Allmen aus, genannt Roswäg Hänsel. Die Ziele wurden kurz und bündig formuliert: “Den Skisport fördern sowie gute Kameradschaft allerseits pflegen und ermutigen!”

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Arnold Lunn mit seiner “Slalom-Zwiebel”
Sir Arnold Lunn 1922

Besondere Verdienste um den alpinen Skisport hat sich der unermüdliche Sir Arnold Lunn (1888-1974) gemacht, der Sohn von Sir Henry Lunn . Auf sein Betreiben fand 1921 erstmals eine englische Landesmeisterschaft in Wengen statt, die aus einer Abfahrt vom Lauberhorn und einer “style competition” bestand, die sich als Disziplin aber nicht bewährte. Am 21. Januar 1922 flaggte Sir Arnold Lunn neben dem Hotel Jungfrau in Mürren den ersten Slalom der alpinen Skigeschichte, so wie wir diesen heute noch kennen, aus.

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Sir Arnold Lunn und Anthony Angas,
Präsident des “K”
Kandahar Ski Club Mürren 1924

Am 30. Januar 1924 wurde in Mürren von Sir Arnold Lunn und acht weiteren begeisterten britischen Skifahrern, darunter drei Damen, der Kandahar Ski Club gegründet, der die Förderung von Abfahrt und Slalom sowie die Anerkennung des alpinen Skisports auf internationaler Ebene als Zielsetzung hatte. Erster Präsident wurde Anthony Angas. Der Clubname lehnte sich an den ersten “Roberts of Kandahar- Cup” im Jahre 1911 an, bestehend aus Skirennen, Schlittschuhlauf und Schlittenrennen. Kandahar, der Beiname Lord Roberts, erinnert an eine von den Briten gewonnene Schlacht im Afghanistan-Krieg 1880. Auf Vorschlag von d’Egville wählte man als Klubabzeichen das “K”, das im alpinen Skisport zum Begriff werden sollte. Die Begeisterung für Wettkämpfe wuchs und in Mürren wurden viele Rennen ausgetragen, u.a. der Anglo-Swiss-Race, bei dem sich Engländer aus dem K-Club und Schweizer aus dem SAS massen. Lange war Mürren einer der Austragungsorte des legendären Arlberg- Kandahar-Rennens, einer Kombination aus Abfahrt und Slalom, das zum Modell alpiner Wettbewerbe wurde.

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Gruppenaufnahme von Teilnehmern des ersten Inferno-Rennens (Vierter von links: Arnold Lunn, Mitte unten: d’Egville, Karikaturist und Spassmacher des Kandahar Ski Clubs, genannt “Gummigesicht”)
Inferno-Rennen Mürren 1928

Britischer Humor, der Gefallen an Sportrekorden und ein gehöriger “Spleen” waren wohl mit dabei, als die Kandahar-Mitglieder Ford, Mitchell, Richardson, Maitland und Lord Kennworth das Inferno-Rennen ausheckten. Am 29. Januar 1928 gingen 18 Teilnehmer, darunter vier Damen, zum Start. (Bevor die Schilthornbahn 1967 den Betrieb aufnahm, mussten die Teilnehmer einen fünfstündigen Aufstieg bewältigen.) Ein Massenstart war geplant, doch waren einige Teilnehmer noch beim Wachsen, als Lunn schon das Startkommando “Come on, we’re off!” gab. Das Rennen war begleitet von schweren Stürzen mit Prellungen, Schürfungen und einem Rippenbruch. Sieger wurde Harold Mitchell (1 Std. 12 Min.), den vierten Rang belegte Doreen Elliott (1 Std. 22 Min.), obwohl sie unterwegs eine verunglückte Kollegin versorgt hatte.

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Der erste Skilift im Berner Oberland
Skilift Mürren-Schiltgrat 1937
Ausser den bestehenden Bergbahnen wuchs der Bedarf an Aufstiegsmöglichkeiten für die Skifahrer. Gerade die Engländer favorisierten nicht allzu schnelle Abfahrten bei leichtem Aufstieg – “take it easy” und “down hill only”. So entstand 1937 als erster Skilift im Berner Oberland der Skilift Mürren-Schiltgrat, dessen Pfeiler damals aus Holz gebaut waren.
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Die Schilthorn-Luftseilbahn und der schwierige Bau der Gipfelstation
Schilthorn-Luftseilbahn 1965

Dank der Initiative der Mürrner Ernst Feuz und Walter Amstutz wurde von 1965-67 die zweite Bahn aus dem Lauterbrunnental hoch nach Mürren gebaut. 1965 wurden die ersten drei Sektionen der Schilthornbahn Stechelberg-Mürren-Birg eröffnet. Die vierte Sektion war der schwierigste Bauabschnitt: die Gipfelstrecke von Birg aufs Schilthorn und das Gipfelgebäude. Die Bahn konnte 1967 eröffnet werden. Mit der vierten Sektion erreichte sie eine Gesamtlänge von 6.970 Metern bei einer Höhendifferenz von 2.103 Metern. Mürren war um eine Attraktion reicher. Das Schilthorn, das schon lange ein beliebtes Ausflugsziel und Wanderparadies war, konnte nun von vielen Besuchern bequem erreicht werden.

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“James Bond – Im Geheimdienst Ihrer Majestät”
James-Bond 1968

Das Schilthorn, die Luftseilbahn und die steilen Schneehänge bildeten 1968/69 den Schauplatz der spannendsten Szenen im James-Bond-Film “Im Geheimdienst Ihrer Majestät”. Die unvergleichliche Lage, die dramatische Aussicht auf vereiste Viertausender und die Tatsache, dass eine moderne Bahn bis zum gerade fertiggestellten imposanten Gipfel-Drehrestaurant hinaufführte, bewog die Fachleute der United Artists das Schilthorn für ihre Zwecke auszuwählen. In der Zeit von Oktober 1968 bis April 1969 verwandelte ein Heer von Helfern den Schilthorngipfel in den “Piz Gloria”. Unter anderem wurde hier oben auch ein Landeplatz für Helikopter gebaut. Der Film hat dem Schilthorn endgültig zu seinem weltweiten Bekanntheitsgrad verholfen.

James Bond Mountain